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Wollgras im Abendrot

Klimaschutz

Wiedervernässung von Mooren – wichtig für den Klimaschutz

Wem die Wiederherstellung der Artenvielfalt noch nicht Grund genug erscheint unseren Mooren wieder mehr Aufmerksamkeit und Schutz zukommen zu lassen, der mag sich vielleicht auch einmal den Zusammenhang zwischen Moor- und Klimaschutz genauer anschauen. In Relation gesehen machen Moore nur einen ganz geringen Teil unsere Erdoberfläche aus; gerade einmal 3% der Landfläche sind von Mooren bedeckt. „Klein aber oho!“ muss an dieser Stelle gesagt werden. Denn: Gesunde Moore binden in ihrer Biomasse doppelt so viel Kohlenstoff (CO2; jährlich rund 450 – 500 Gigatonnen) wie alle Wälder der Erde zusammen. Diese machen im Vergleich einen Anteil von rund 30% der Landoberfläche aus. Damit sind Moore die effektivsten Landökosysteme in Hinblick auf eine dauerhafte Kohlenstoffspeicherung und ein wichtiger Mitspieler in Sachen Klimaschutz und der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015, welches eine Klimaneutralität/Kohlenstoffneutralität der einzelnen Länder bis 2050 vorschreibt. Wesentlich für die dauerhafte Speicherung von CO2 ist eine ausreichende Wassersättigung der Moorböden. Werden diese entwässert, verlieren Moore auch hier ihre Senkenwirkung und wandeln sich von einem Speichersystem zu einer Quelle von Treibhausgasen (vornehmlich CO2 und N2O). Schon die Zerstörung der bisherigen Moorflächen hatten eine Steigerung der menschlichen CO2 Ausstöße von 5-7% zur Folge. Dies entspricht jährlich mehr als 2 Milliarden Tonnen; dreimal mehr als die globale Luftfahrt. Auch Deutschland zählt zu den größten Treibhausgasemittenten in der EU und mit rund 6% (~45 Millionen Tonnen jährlich) sind unsere degradierten Moore daran nicht unbeteiligt. Im weltweiten Vergleich liegen wir damit zusammen mit Größen wie Indonesien, China oder den USA trotz unserer relativ geringen Flächen selbst unter den Top-Ten der CO2– Emittenten aus Mooren. Hier sind sich Wissenschaftler einig: der einzige Weg aus dieser Situation ist die Renaturierung bzw. eine Veränderung der wirtschaftlichen Nutzungsstrategie der Moore.

Nur nasse Moore sind gesunde Moore. Um die genannten Klimaziele bis 2050 zu erreichen müssten dafür in den nächsten Jahren weltweit rund 2 Millionen ha jährlich wiedervernässt und umstrukturiert werden. Eine enorme Herausforderung, doch Experten sind sich einig, dass dies grundsätzlich möglich ist. Setzt man die geschätzten weltweiten Wiedervernässungskosten von rund 125 Mrd. Euro (ca. 2500€/ha bei 50 Millionen Hektar) in Relation zu den Klimafolgekosten entwässerter Moorsysteme (rund 7 Mrd. Euro alleine in Deutschland; basierend auf 180€/t CO2, Tendenz steigend), können diese sicherlich nicht als Grund genannt werden um diesen Schritt nicht zu gehen.

Forderung: Moorschutz und Moornutzung als gleichwertig betrachten und in den neuen Landnutzungsstrategien integrieren. Nur so besteht die Chance den bisherigen Kurs zu ändern und das enorme Potential gesunder Moore zu nutzen.

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