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Nitratbelastung im Kreis Nienburg/Weser

Die Ergebnisse unserer Wasser-Analysen aus privat genutzten Brunnen im Raum Rehburg-Loccum, Nienburg und Uchte ergaben eine deutliche Nitratbelastung im Grundwasser.

Der VSR-Gewässerschutz stellte bei den Brunnenwasser-Analysen
im Kreis Nienburg/Weser in den letzten 5 Jahren fest:

Jede 4. Probe überschreitet den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat.

Grundwasser stellt die Trinkwasservorräte für die nachfolgenden Generationen dar – eine Verringerung der Belastung ist dringend erforderlich. 8 % der Brunnenwasseruntersuchungen weisen sogar Nitratwerte von über 100 mg/l auf!

Nitratkarte von Niedersachsen

Die Nitratkarte liefert wenig Anlass zur Freude: Die Flächen mit erhöhten Nitratgehalten dominieren immer noch. Gerade die Gebiete mit den hohen Viehzahlen im Südwesten von Niedersachsen stechen mit dem dunklen Rot hervor.

Die Karte gibt einen Überblick über die Nitratbelastungen in privat genutzten Brunnen. Die Daten wurden im Rahmen der Untersuchungen des VSR-Gewässerschutz in den Jahren 2017-2021 gewonnen.

Nitratkarte Niedersachsen vom VSR-Gewässerschutz

Ursachen der Nitratbelastung

Die Landwirtschaft nimmt im Kreis Nienburg/Weser eine große Fläche ein. Die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist vor allem durch eine Überdüngung der intensiv bewirtschafteten Ackerflächen zu erklären.

Mähdrescher auf Getreidefeld bei der Ernte
63,4 % Landwirtschaft

Ein hoher Anteil an landwirtschaftlichen Flächen führt zu einer starken Nitratbelastung.

Eine Straße führt durch ein städtisches Wohngebiet
12,7 % Siedlung & Verkehr

Je höher der Anteil der bebauten Flächen ist, umso geringer sind die Nitratbelastungen.

Lichtdurchflutetes Waldstück in Hanglage
17,9 % Wald

Unter Wald kommt es in der Regel zu geringeren Nitratauswaschungen.

Tennisanlage im städtischen Gebiet
6 % Sonstige

Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen – hier findet kein auffälliger Nitrateintrag statt.

Quelle für Flächenanteile: Regionatlas Deutschland 2019

Viel Ackerfläche – wenig Grünland

Im Kreis Nienburg/Weser bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 84 % aus Ackerflächen. Dort ist die Gefahr der Nitratauswaschung höher als unter Grünland. Das liegt daran, dass Grünland eine ganzjährige ununterbrochene Begrünung der Fläche mit einer intensiven Durchwurzelung aufweist und dadurch das Nitrat aus dem Dünger weniger ausgewaschen wird. Das ist bei Ackerflächen nicht der Fall. Besonders hoch ist die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern, die keine Bodenbedeckung aufweisen. Deshalb müssen dringend Zwischenfrüchte angebaut werden, die bei Regenfällen die Nitratverlagerung ins Grundwasser verhindern. Es darf im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben.

Weitläufige karge Ackerfläche in direkter Nähe eines Flusses
Auf der landwirtschaftlichen Fläche im Kreis Nienburg/Weser dominiert der Mais- und Weizenanbau.
Das stellt ein großes Problem für das Grundwasser dar.
Maiskolben in Nahaufnahme in einem Maisfeld
29 % der Ackerflächen für Mais

Gerade in der Nähe von Biogasanlagen wird besonders viel Mais produziert. Erfolgt die Ernte nach dem 1. Oktober, sieht man nur noch große Ackerflächen, die ab Winter bis weit ins Frühjahr keinen Bewuchs aufweisen. Selbst in Gegenden mit hohen Nitratbelastungen müssen gemäß aktueller Düngeverordnung dann keine Zwischenfrüchte mehr angebaut werden. Die überschüssigen Nitrate können dadurch nicht von Pflanzen zum Wachstum aufgenommen werden. Die Folge ist eine hohe Nitratauswaschung ins Grundwasser. Biogasanlagen sollten dringend andere Substrate einsetzen, die weit weniger zur Nitratbelastung beitragen.

Großflächiges Weizenfeld
16 % der Ackerfläche für Weizen

Der Weizen ist eine der wichtigsten Nahrungsnutzpflanzen der Welt. In Deutschland wird viel Backweizen angebaut, doch leider trägt dieser durch die dritte Spätdüngung wesentlich zur Nitratbelastung bei. Aber nur 30% der Produktion dieses backfähigen Weizens wird wirklich für Backzwecke benötigt! Mehr als die Hälfte des Backweizens wird aufgrund zu niedriger Proteinwerte verfüttert. Damit die globale Ernährungssicherung gewährleistet werden kann, muss der Getreideanbau nachhaltiger werden ohne die Produktivität stark zu reduzieren. Laut zahlreicher Experten könnten dies gelingen, wenn nicht nur der Proteingehalt des Getreides ausschlaggebend wäre.

Quelle für Flächenanteile: Landesamt für Statistik Niedersachsen 2020

Viele Massentierhaltungen im Kreis Nienburg/Weser –
hoher Verbrauch an Getreide und enorme Mengen Gülle!

In Deutschland werden über 4 Millionen Tonnen Weizen, 1,5 Millionen Tonnen Roggen, 2,5 Millionen Tonne Gerste und 2,7 Millionen Tonnen Körnermais allein für Futter von Tieren verbraucht. Das bedeutet, dass viel Ackerland ausschließlich für die Produktion von Tiernahrung und nicht für Lebensmittel zur Verfügung steht. Zusätzlich ist es nötig, Soja als Futtermittel für die Massentierhaltung zu importieren. Es sind also riesige Landflächen nötig, um all das Getreide und Soja als Futter für die große Menge an Tieren zu produzieren. Ein weiteres großes Problem: Bei dieser industriellen Tierhaltung fallen riesige Mengen Gülle an. So viel, dass unsere Böden nicht mehr in der Lage sind, die Güllemassen aufzunehmen.

Im Kreis Nienburg/Weser gibt es viele Schweinemastbetriebe

Die Produktion von Schweinefleisch in deutschen Schlachthöfen liegt weit über dem, was die Deutschen tatsächlich selber essen. Denn Deutschland ist Schweineexportland. Der Konsum von Schweinefleisch ist hierzulande deutlich zurückgegangen – immer mehr Menschen ist es wichtig, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden. Leider trägt dieses Umdenken nicht zur Reduzierung von Massentierhaltungen bei, solange die Massen an Fleisch weiterhin für den Export produziert werden.

Schweinenase aus einem Käfig guckend
Nur 3,5 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Kreis Nienburg/Weser wird ökologisch bewirtschaftet

Die Nitratbelastung des Grundwassers wird unter ökologisch bewirtschafteten Flächen stark verringert. Der Öko-Landbau vermindert nach Untersuchungen des Thünen-Institutes (Bundesforschungsanstalt in Braunschweig) die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent. Damit tragen ökologisch wirtschaftende Landwirte bereits heute dazu bei, dass den Gewässern weniger Nitrate zusickern. Es ist wichtiger denn je, eine nachhaltige und gewässerschonende Landwirtschaft zu unterstützen!

Feld mit der Aufschrift „Bio“

Quelle für Flächenanteile: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2020

Stoppt das Artensterben in nitratbelasteten Bächen und Flüssen!

Nitratbelastetes Grundwasser sickert den Bächen und Flüssen zu. Der hohe Nährstoffeintrag führt zu einer Eutrophierung der Gewässer. Dadurch hat sich die Artenvielfalt in den Gewässern bereits dramatisch verringert. Nach dem Nitratbericht 2020 des Umweltbundesamtes gelangen heutzutage 75 Prozent der Stickstoffbelastungen alleine von landwirtschaftlichen Flächen in die Oberflächengewässer. Die Nitratbelastung muss dringend verringert werden – nur so können wir den Lebensraum vieler bedrohter Arten erhalten!

Schöpfer mit Mengen an Algen eines nitratbelasteten Baches
Brunnenwasser aus Flasche wird in ein Reagenzglas umgefüllt

Wie können Sie Ihr Brunnenwasser nutzen? Lassen Sie das Wasser bei uns testen – Sie erhalten ein ausführliches Gutachten von uns.

Großvater und Enkelin schauen sich einen Newsletter im Laptop an

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Eine Gruppe von Menschen packt es gemeinsam an

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