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Nitratbelastung im Kreis Rotenburg (Wümme)

Die Ergebnisse unserer Wasser-Analysen aus privat genutzten Brunnen im Raum Rotenburg (Wümme), Visselhövede, Zeven und Bremervörde ergaben eine deutliche Nitratbelastung im Grundwasser.

Der VSR-Gewässerschutz stellte bei den Brunnenwasser-Analysen
im Kreis Rotenburg (Wümme) in den letzten 5 Jahren fest:

Jede 5. Probe überschreitet den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat.

Grundwasser stellt die Trinkwasservorräte für die nachfolgenden Generationen dar – eine Verringerung der Belastung ist dringend erforderlich. 5 % der Brunnenwasseruntersuchungen weisen sogar Nitratwerte von über 100 mg/l auf!

Ergebnisse unserer aktuellen Brunnenwasseranalysen in Zeven

Viele Bürger kamen am 27.06.2022 an den Informationsstand des VSR-Gewässerschutzes in Zeven, um ihr Brunnenwasser untersuchen zu lassen.

Säulendiagramm mit den auffälligsten Nitratwerten der Brunnenwasseranalyse vom 27.06.2022 in Zeven.

Insgesamt wurde das Wasser von 35 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Zeven – Elsdorf – Heeslingen – Selsingen analysiert. Dipl.-Phys. Harald Gülzow und Bundesfreiwilliger Dr. Matthias Ahlbrecht fanden bei den Untersuchungen 114 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Steddorf. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Sassenholz mit 106 Milligramm pro Liter (mg/l), in Seedorf mit 84 mg/l, in Heeslingen mit 99 mg/l, in Vorwerk mit 105 mg/l, in Sittensen mit 88 mg/l und in Kalbe mit 70 mg/lfest.

Bürger*innen, die unsere Brunnenwasseranalyse-Aktion in Zeven verpasst haben, aber dennoch an einer Untersuchung interessiert sind, können uns Ihr Probenwasser einfach per Post bis Ende September in die Geschäftsstelle senden.

Nitratkarte von Niedersachsen

Die Nitratkarte liefert wenig Anlass zur Freude: Die Flächen mit erhöhten Nitratgehalten dominieren immer noch. Gerade die Gebiete mit den hohen Viehzahlen im Südwesten von Niedersachsen stechen mit dem dunklen Rot hervor.

Die Karte gibt einen Überblick über die Nitratbelastungen in privat genutzten Brunnen. Die Daten wurden im Rahmen der Untersuchungen des VSR-Gewässerschutz in den Jahren 2017-2021 gewonnen.

Nitratkarte Niedersachsen vom VSR-Gewässerschutz

Ursachen der Nitratbelastung

Die Landwirtschaft nimmt im Kreis Rotenburg (Wümme) eine große Fläche ein. Die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist vor allem durch eine Überdüngung der intensiv bewirtschafteten Ackerflächen zu erklären.

Mähdrescher auf Getreidefeld bei der Ernte

66,3 % Landwirtschaft

Ein hoher Anteil an landwirtschaftlichen Flächen führt zu einer starken Nitratbelastung.

Eine Straße führt durch ein städtisches Wohngebiet

11,6 % Siedlung & Verkehr

Je höher der Anteil der bebauten Flächen ist, umso geringer sind die Nitratbelastungen.

Lichtdurchflutetes Waldstück in Hanglage

15,8 % Wald

Unter Wald kommt es in der Regel zu geringeren Nitratauswaschungen.

Tennisanlage im städtischen Gebiet

6,3 % Sonstige

Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen – hier findet kein auffälliger Nitrateintrag statt.

Quelle für Flächenanteile: Regionatlas Deutschland 2019

Viel Ackerfläche – wenig Grünland

Im Kreis Rotenburg (Wümme) bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 68 % aus Ackerflächen. Dort ist die Gefahr der Nitratauswaschung höher als unter Grünland. Das liegt daran, dass Grünland eine ganzjährige ununterbrochene Begrünung der Fläche mit einer intensiven Durchwurzelung aufweist und dadurch das Nitrat aus dem Dünger weniger ausgewaschen wird. Das ist bei Ackerflächen nicht der Fall. Besonders hoch ist die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern, die keine Bodenbedeckung aufweisen. Deshalb müssen dringend Zwischenfrüchte angebaut werden, die bei Regenfällen die Nitratverlagerung ins Grundwasser verhindern. Es darf im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben.

Weitläufige karge Ackerfläche in direkter Nähe eines Flusses

In Kreis Rotenburg (Wümme) dominiert der Maisanbau

Auf 61 % der Ackerfläche wird Mais angebaut. Gerade in der Nähe von Biogasanlagen wird besonders viel Mais produziert. Erfolgt die Ernte nach dem 1. Oktober, sieht man nur noch große Ackerflächen, die ab Winter bis weit ins Frühjahr keinen Bewuchs aufweisen. Selbst in Gegenden mit hohen Nitratbelastungen müssen gemäß aktueller Düngeverordnung dann keine Zwischenfrüchte mehr angebaut werden. Die überschüssigen Nitrate können dadurch nicht von Pflanzen zum Wachstum aufgenommen werden. Die Folge ist eine hohe Nitratauswaschung ins Grundwasser. Biogasanlagen sollten dringend andere Substrate einsetzen, die weit weniger zur Nitratbelastung beitragen.

Maiskolben in Nahaufnahme in einem Maisfeld

Quelle für Flächenanteile: Landesamt für Statistik Niedersachsen 2020

Viele Massentierhaltungen im Kreis Rotenburg (Wümme) –
hoher Verbrauch an Getreide und enorme Mengen Gülle!

In Deutschland werden über 4 Millionen Tonnen Weizen, 1,5 Millionen Tonnen Roggen, 2,5 Millionen Tonne Gerste und 2,7 Millionen Tonnen Körnermais allein für Futter von Tieren verbraucht. Das bedeutet, dass viel Ackerland ausschließlich für die Produktion von Tiernahrung und nicht für Lebensmittel zur Verfügung steht. Zusätzlich ist es nötig, Soja als Futtermittel für die Massentierhaltung zu importieren. Es sind also riesige Landflächen nötig, um all das Getreide und Soja als Futter für die große Menge an Tieren zu produzieren. Ein weiteres großes Problem: Bei dieser industriellen Tierhaltung fallen riesige Mengen Gülle an. So viel, dass unsere Böden nicht mehr in der Lage sind, die Güllemassen aufzunehmen.

Im Kreis Rotenburg (Wümme) gibt es viele Schweinemastbetriebe

Die Produktion von Schweinefleisch in deutschen Schlachthöfen liegt weit über dem, was die Deutschen tatsächlich selber essen. Denn Deutschland ist Schweineexportland. Der Konsum von Schweinefleisch ist hierzulande deutlich zurückgegangen – immer mehr Menschen ist es wichtig, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden. Leider trägt dieses Umdenken nicht zur Reduzierung von Massentierhaltungen bei, solange die Massen an Fleisch weiterhin für den Export produziert werden.

Schweinenase aus einem Käfig guckend

Nur 2,7 % der Ackerflächen im Kreis Rotenburg (Wümme) ökologisch bewirtschaftet

Die Nitratbelastung der Gewässer wird unter ökologisch bewirtschafteten Flächen stark verringert. Der Öko-Landbau vermindert nach Untersuchungen des Thünen-Institutes (Bundesforschungsanstalt in Braunschweig) die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent. Damit tragen ökologisch wirtschaftende Landwirte bereits heute dazu bei, dass den Gewässern weniger Nitrate zusickern. Es ist wichtiger denn je, eine nachhaltige und gewässerschonende Landwirtschaft zu unterstützen!

Feld mit der Aufschrift „Bio“

Quelle für Flächenanteile: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2020

Stoppt das Artensterben in nitratbelasteten Bächen und Flüssen!

Nitratbelastetes Grundwasser sickert den Bächen und Flüssen zu. Der hohe Nährstoffeintrag führt zu einer Eutrophierung der Gewässer. Dadurch hat sich die Artenvielfalt in den Gewässern bereits dramatisch verringert. Nach dem Nitratbericht 2020 des Umweltbundesamtes gelangen heutzutage 75 Prozent der Stickstoffbelastungen alleine von landwirtschaftlichen Flächen in die Oberflächengewässer. Die Nitratbelastung muss dringend verringert werden – nur so können wir den Lebensraum vieler bedrohter Arten erhalten!

Schöpfer mit Mengen an Algen eines nitratbelasteten Baches
Brunnenwasser aus Flasche wird in ein Reagenzglas umgefüllt

Wie können Sie Ihr Brunnenwasser nutzen? Lassen Sie das Wasser bei uns testen – Sie erhalten ein ausführliches Gutachten von uns.

Großvater und Enkelin schauen sich einen Newsletter im Laptop an

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Eine Gruppe von Menschen packt es gemeinsam an

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