Zum Inhalt springen
Trecker mit Maislegegerät auf einem Feld

Nitratbelastung im Kreis Heinsberg

Die Ergebnisse unserer Wasser-Analysen aus privat genutzten Brunnen im Raum Heinsberg, Wegberg, Wassenberg und Selfkant-Tüddern ergaben eine deutliche Nitratbelastung im Grundwasser.

Der VSR-Gewässerschutz stellte bei den Brunnenwasser-Analysen im Kreis Heinsberg von 2018 bis 2023 fest:
Jede 2. Probe überschreitet den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat. Grundwasser stellt die Trinkwasservorräte für die nachfolgenden Generationen dar – eine Verringerung der Belastung ist dringend erforderlich. 20,4 % der Brunnenwasseruntersuchungen weisen sogar Nitratwerte von über 100 mg/l auf!


Aktuelle Ergebnisse unserer Brunnenwasseranalysen
in Wegberg

Nitratdiagramm der aktion am 16.04.2024 in Wegberg

Die Brunnenwasserergebnisse vom diesjährigen Termin in Wegberg hat der Physiker Harald Gülzow bereits ausgewertet. In jeder 3. Probe von 61 untersuchten Wasserproben aus den privat genutzten Brunnen stellte er eine Überschreitung von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat fest. Besonders erschreckend fand der Gewässerexperte die festgestellte Belastung in den Gartenbrunnen in Merbeck mit 156 mg/l Nitrat, in Wegberg mit 136 mg/l, in Gerderhahn mit 118 mg/l, in Arsbeck mit 102 mg/l, in Pongs mit 99 mg/l, in Schwanenberg mit 84 mg/l, in Brachelen mit 76 mg/l und in Klinkum mit 74 mg/l. Etwas weniger hoch belastet ist das Wasser in Hückelhoven mit 64 mg/l Nitrat und in Harbeck mit 54 mg/l im Grundwasser.

Ergebnisse der Brunnenwasseranalysen
in Tüddern, Heinsberg und Wegberg

Nitratdiagramm von der Aktion in Tüddern

Die Brunnenwasseruntersuchungen vom VSR-Gewässerschutz ergaben am 19. September 2023 in Tüddern erschreckende Nitratbelastungen. 50 Gartenbesitzer hatten ihr Brunnenwasser am Labormobil abgegeben. In 40 der privat genutzten Brunnen stellte die gemeinnützige Organisation eine Überschreitung der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat fest.Milan Toups stellte in privaten Gartenbrunnen in Tüddern mehr als 300 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l), in Isenbruch 121 mg/l, in Millen 150 mg/l, in Heilder 148 mg/l, in Saeffelen 147 mg/l, in Wehr 204 mg/l, in Högen 111 mg/l, Gangelt 116 mg/l, in Süsterseel 135 mg/l und in Haaren 130 mg/l fest.

Die Brunnenwasseruntersuchungen vom VSR-Gewässerschutz ergaben in Wegberg und Heinsberg erschreckende Nitratbelastungen. 97 Gartenbesitzer hatten im August ihr Brunnenwasser am Labormobil abgegeben In 49der privat genutzten Brunnen stellte die gemeinnützige Organisation eine Überschreitung der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat fest.Dipl.-Phys. Harald Gülzow stellte in privaten Gartenbrunnen in Schalbruch 225 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l), in Wassenberg 213 mg/l, in Kempen 132 mg/l, in Haaren 161 mg/l, in Heinsberg 133 mg/l, in Herb 148 mg/l, in Horst 137 mg/l in Laffeld 179 mg/l und in Waldfeucht 128 mg/l fest.

Nitratdiagramm von der Aktion in Heinsberg
NItratdiagram von der aktion in Wegberg

Die Brunnenwasseruntersuchungen vom VSR-Gewässerschutz ergaben in Wegberg erschreckende Nitratbelastungen. 93 Gartenbesitzer hatten in Juni ihr Brunnenwasser am Labormobil abgegeben. In 57 der privat genutzten Brunnen stellte die gemeinnützige Organisation eine Überschreitung der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat fest.Dipl.-Phys. Harald Gülzow stellte in privaten Gartenbrunnen in Effeld 282 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l), in Birgelen 174 mg/l, in Klinkum 150 mg/l, in Harbeck 170 mg/l, in Merbeck 135 mg/l, in Rickelrath 150 mg/l, in Erkelenz 128 mg/l, in Porselen 117 mg/l und in Gangelt 195 mg/l fest.


Nitratbelastungen in Flüssen und Bächen im Kreis Heinsberg

Nachdem der Eintrag aus Abwassereinleitungen durch den Ausbau von Klärananlagen stark verringert wurde, liegt die Ursache der Nitratbelastung in den Flüssen und Bächen im Kreis Heinsberg vorallem beim zusickernde Grundwasser und dem Niederschlag, der als Oberflächenabfluss den Gewässern zufließt. Der erhöhte Nährstoffeintrag in die Gewässer führt zur Eutrophierung. Das stellt eine Bedrohung für die Artenvielfalt dar. Der VSR-Gewässerschutz fordert eine Verringerung der Nitratbelastung im Grundwasser. Außerdem braucht es Gewässerrandstreifen die erfolgreich die Nährstoffe zurückhalten können.

Der VSR-Gewässerschutz entnimmt eine Probe an einem Fluss.

Im Rahmen seiner Nitratmesskampagne kommt der VSR-Gewässerschutz nach Auswertung der Messfahrt an der Schwalm im Oktober 2019 zu einem erschreckenden Ergebnis: Die intensive Landwirtschaft im Kreisen Heinsberg führt dazu, dass der gesamte Flusslauf sowie viele Nebenbäche zu hohe Nitratwerte aufweist. Bei der Beprobung der Schwalm fanden die Mitarbeiter vom VSR-Gewäserschutz heraus, dass bereits die Quelle der Schwalm in Erkelenz-Geneiken mit 23,8 mg/l erheblich mit Nitraten belastet ist. In ihrem weiteren Verlauf stiegen die Nitratwerte weiter an. So wurde in Wegberg-Watern erneut eine Wasserprobe genommen, die einen Wert von 24,1 mg/l zeigte. In Wegberg fließt der mit 65,0 mg/l hoch belastete Beeckbach der Schwalm zu und erhöht die Nitratkonzentration der Schwalm auf unglaubliche 51,9 mg/l in Harbeck. Im weiteren Verlauf sinkt die Nitratbelastung der Schwalm. Den größten Effekt hat der zufließende Mühlenbach. Bei Balkhoven fanden die Gewässerschützer gerade mal 16,8 mg/l Nitrat enthält. Die reinigende Wirkung auf das Wasser durch einen Erlenbruchwald im Radeveekes Bruch und im Lüttelforster Bruch kann man im weiteren Verlauf der Schwalm gut beobachten. Diese biologisch aktive Aue nimmt die Nährstoffe aus dem zusickernden Grundwasser auf. In Lüttelforst stellten die Mitarbeiter vom VSR-Gewässerschutz nur noch 35,7 mg/l Nitrat fest. Von der Erreichung des von der Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten Zustandes der Schwalm ist die aktuelle Qualität im Kreis Heinsberg noch weit entfernt.


Flächennutzung im Kreis Heinsberg

Was hat die Landwirtschaft mit der Nitratbelastung zu tun?

In Ackerbauregionen ist das Grundwasser am häufigsten mit zu viel Nitrat belastet. Die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist vor allem durch eine Überdüngung der intensiv bewirtschafteten Ackerflächen zu erklären. Unsere Auswertungen der Flächenverteilung im Kreis Heinsberg zeigen: Die Landwirtschaft hat hier einen großen Anteil und damit einen erheblichen Einfluss auf die Belastungssituation des Grundwassers in dieser Region.

Mähdrescher auf Getreidefeld bei der Ernte

Landwirtschaft

61,4 % der Fläche im Kreis Heinsberg werden von der Landwirtschaft genutzt.

Eine Straße führt durch ein städtisches Wohngebiet

Siedlung & Verkehr

25,3 % der Fläche im Kreis Heinsberg stehen Siedlung & Verkehr zur Verfügung.

Lichtdurchflutetes Waldstück in Hanglage

Wald

10,9 % der Fläche im Kreis Heinsberg ist mit Wald bedeckt.

Tennisanlage im städtischen Gebiet

Sonstige

2,4 % der Fläche im Kreis Heinsberg stehen Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen zur Verfügung.

Viel Ackerfläche im Kreis Heinsberg

Unter Grünland ist die Nitratauswaschung geringer und muss dringend gefördert werden

Im Kreis Heinsberg bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 83 % aus Ackerflächen. Dort ist die Gefahr der Nitratauswaschung höher als unter Grünland. Das liegt daran, dass Grünland eine ganzjährige ununterbrochene Begrünung der Fläche mit einer intensiven Durchwurzelung aufweist und dadurch das Nitrat aus dem Dünger weniger ausgewaschen wird. Das ist bei Ackerflächen nicht der Fall. Besonders hoch ist die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern, die keine Bodenbedeckung aufweisen. Deshalb müssen dringend Zwischenfrüchte angebaut werden, die bei Regenfällen die Nitratverlagerung ins Grundwasser verhindern. Es darf im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben.

Weitläufige karge Ackerfläche in direkter Nähe eines Flusses

Quellen: Regionalatlas Deutschland 2019; Statistisches Landesamt NRW 2020 (Landesdatenbank)


Mais- und Weizenanbau im Kreis Heinsberg

Warum ist es problematisch, wenn Mais- und Weizenanbau dominieren?

Maiskolben in Nahaufnahme in einem Maisfeld

Im Kreis Heinsberg wird auf 17 % der Ackerflächen Mais angebaut. Gerade in der Nähe von Biogasanlagen wird besonders viel Mais produziert. Erfolgt die Ernte nach dem 1. Oktober, sieht man nur noch große Ackerflächen, die ab Winter bis weit ins Frühjahr keinen Bewuchs aufweisen. Selbst in Gegenden mit hohen Nitratbelastungen müssen gemäß aktueller Düngeverordnung dann keine Zwischenfrüchte mehr angebaut werden. Die überschüssigen Nitrate können dadurch nicht von Pflanzen zum Wachstum aufgenommen werden. Die Folge ist eine hohe Nitratauswaschung ins Grundwasser. Biogasanlagen sollten dringend andere Substrate einsetzen, die weit weniger zur Nitratbelastung beitragen.

Großflächiges Weizenfeld

Der Weizen ist eine der wichtigsten Nahrungsnutzpflanzen der Welt. In Deutschland wird viel Backweizen angebaut – alleine im Kreis Heinsberg auf 30 % der Ackerflächen. Aufgrund der dritten Spätdüngung trägt der Backweizen wesentlich zur Nitratbelastung bei. Aber nur 30 % der Produktion wird wirklich für Backzwecke benötigt! Mehr als die Hälfte des Backweizens wird aufgrund zu niedriger Proteinwerte verfüttert. Damit die globale Ernährungssicherung gewährleistet werden kann, muss der Getreideanbau nachhaltiger werden, ohne die Produktivität stark zu reduzieren. Laut zahlreicher Experten könnte dies gelingen, wenn nicht nur der Proteingehalt des Getreides ausschlaggebend wäre.

Quelle: Statistisches Landesamt NRW 2020 (Landesdatenbank)


Öko-Landbau im Kreis Heinsberg

Gewässerschonende Landwirtschaft muss dringend gefördert werden

Nur 0,7 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Kreis Heinsberg wird ökologisch bewirtschaftet.
Die Nitratbelastung des Grundwassers wird unter ökologisch bewirtschafteten Flächen stark verringert. Der Ökologische Landbau vermindert nach Untersuchungen des Thünen-Institutes (Bundesforschungsanstalt in Braunschweig) die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent. Damit tragen ökologisch wirtschaftende Landwirte bereits heute dazu bei, dass den Gewässern weniger Nitrate zu sickern. Es ist wichtiger denn je, eine nachhaltige und gewässerschonende Landwirtschaft zu unterstützen!

Feld mit der Aufschrift "Bio"

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2020


Nitratkarte von Nordrhein-Westfalen

Wie sieht die Nitratbelastung in Nordrhein-Westfalen aus?

Das Ergebnis lässt wenig Anlass zur Freude: Die Kreise mit erhöhten Nitratwerten dominieren immer noch.

Die Karte gibt einen Überblick über die Nitratbelastungen in privat genutzten Brunnen. Die Daten wurden im Rahmen der Untersuchungen des VSR-Gewässerschutz in den Jahren 2018-2023 gewonnen.

Nitratkarte von NRW

Artikel über unsere Arbeit im Kreis Heinsberg

22.08.2023 Heinsberg Magazin Nitrat im Brunnenwasser: VSR-Gewässerschutz stellt Ergebnisse vor

01.09.2022 Heinsberg Magazin VSR-Gewässerschutz stellt hohe Nitratbelastung im Kreis Heinsberg fest: Weizenanbau muss nachhaltiger werden


Brunnenwasserprobe wird in Röhrchen abgefüllt

Helfen Sie uns mit Ihrer Brunnenwasserprobe Belastungen des Grundwassers zu erkennen

Lassen Sie das Wasser bei uns analysieren –
Sie erhalten ein ausführliches Gutachten von uns.

Mann und Mädchen lachen am Tablet

Keine Ergebnisse oder Aktionen vom VSR-Gewässerschutz im Kreis Heinsberg verpassen

Sie erhalten die Termine und Auswertungen
4 – 6 Mal pro Jahr per E-Mail zugesendet.

Mitgliedschaft beim VSR-Gewässerschutz im Kreis Heinsberg

Unterstützen Sie unsere wichtige Arbeit in der Region und werden Sie Mitglied beim
VSR-Gewässerschutz.

Ein Team aus Menschen zeigt Teamwork

Unsere Gewässer brauchen Ihre Hilfe!
Unterstützen Sie unsere Arbeit und werden Sie Mitglied beim VSR-Gewässerschutz!